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Ulf Meyer – Gibson ABR Bridge

Ulf Meyer aus Felde berichtet über seine Erfahrungen mit der Cryo behandelten Gibson ABR Bridge:
Ich habe keine Ahnung, woran es liegt, aber zum Einen ist man wohl durch jahrzehntelange Gewohnheit (ich bin ein alter Sack von 57) irgendwie auf Guss-Brücken geeicht, und so ist der gewohnte Normalsound ein eher unscheinbarer, etwas muffiger, unspektakulärer, trotzdem aber Referenz. Alle anderen „neuen“ Materialien eröffnen neue Möglichkeiten, aber eigentlich will man ja nur einen geringfügig offeneren, dynamischeren, spritzigeren oder was auch immer Sound.

Was macht die Cryo Bridge?
Der erste Eindruck (und das ist der einzige, der zählt) ist der, daß das Gefühl der Referenz („kenne ich, ist mir vertraut“) sofort da ist, und daß diese Brücke einen ganz merkwürdigen Effekt hat: sie wirkt nahezu beruhigend, souverän, abgeklärt – alles ist auf wunderbare Weise richtig.
Ich muß dazu sagen, daß ich hier nicht schwärme, sondern einfach beobachte – es gibt nichts, was ich vermisse, nichts, was jetzt besonders hervorsticht, aber sie klingt einfach „richtig“. Und zwar
räumt sie bei mir in den Basssaiten (mit deren Muffigkeit und Saitentrennung ich oft Probleme habe) auf, dünnt aber nicht aus wie die Alu-Bridge, und jetzt der Witz: in den oberen Saiten (die bei mir bislang zum Plärren neigten) gibt sie etwas Fülle dazu und gleicht damit wunderbar aus. Der Gesamtklang ist tendenziell dunkel, rauchig (aber nicht muffig!), aber aufgeräumt, dabei unspektakulär.
Für meine ES 175 genau richtig. Ich spiele vor mich hin und fühle mich wohl, alles klingt so selbstverständlich, so „altersmilde“.

Unterm Strich läßt sich sagen, daß sich nicht so ohne weiteres über Guss-Brücken schimpfen läßt: sicherlich sind sie heute etwas verpönt, „weil man damals immer das kostengünstigste Material ausgesucht hat“, aber das stimmt so für mich nicht. Wie gesagt: Guss ist Standard, auf den ich und viele andere sich im Laufe der vielen Jahre, die man spielt, eingehört hat, und damit ist eine bestimmte Ästhetik verbunden. Mich hat diese leicht Bedeckte im Ton nie gestört; ich besitze ein ES 335 von 1964, die auch so bedeckt klingt, aber genau das macht ihren ausgeruhten Sound aus.

Die Cryo Bridge setzt noch eins drauf, irgendwie räumt sie auf, ohne großartig damit anzugeben, und weist jedem Ton seinen Platz zu. Glatte Eins.

Viele Grüße

Ulf Meyer

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